AWO Erziehungsberatung

Kinder im Elternstreit –
Veranstaltung zum Thema Umgangsverweigerung am 16.5.2013


„Papa hat mein Kinderbett verkauft. Der ist doof, doof, doof“, sagt die 5-jährige Marie, als die Gutachterin sie im Auftrag des Familiengerichts befragt. Marie hat ihren Vater seit fast zwei Jahren nicht gesehen. Als ihr Bett verkauft wurde war sie eineinhalb Jahre alt und kann das nur aus Erzählungen wissen. So wie Marie reagieren immer häufiger Kinder und verweigern den Kontakt zu einem leiblichen Elternteil. Dann werden Fachleute von den Eltern einbezogen, Rechtsanwälte, Familiengerichte, Verfahrensbeistände, Mitarbeiter des Jugendamtes, Erziehungsberatungsstellen und psychologische Gutachter.

  Am 16. Mai trafen diese Professionen auf
  Einladung der Erziehungsberatungsstellen
  im Landkreis in Trägerschaft der Caritas
  und der AWO und des Jugendamtes des
  Landkreises Göttingen zusammen.
  80 Personen wurden von der lösungs-
  orientierten Gutachterin Frau Dipl. Psych.
  Dr. Katharina Behrend darüber informiert,
  wie Kinder im Konfliktgeschehen der Eltern gefangen sind und welche typischen Reaktionsmuster die Kinder wählen. Marie hat wegen ihres Alters und ihrer familiären Situation eine gute Prognose, dass der Kontakt zum leiblichen Vater wieder hergestellt werden kann. Die entscheidende Voraussetzung dafür ist, dass die Eltern eindeutige Empfehlungen und Maßgaben von den beteiligten Professionen bekommen.

Mütter wie Väter müssen lernen, sich von Vorwürfen und Anklagen an den anderen Elternteil zu lösen. Dazu benötigen viele Eltern Hilfe von Fachleuten, wie sie in der Jugendhilfe oder den Erziehungsberatungsstellen zu finden sind. Für Rechtsanwälte als Parteivertreter eines Elternteils stellt dieses Vorgehen, auf einen elterlichen Konsens hinzuwirken, eine neue Herausforderung, aber auch neue Chancen dar, wie die Teilnahme von 25 Kollegen aus dem südniedersächsischen Raum zeigte. Denn auch Rechtsanwälte sollten nicht mehr Klagen an die „gegnerische Partei“ auflisten.

  Eine große Hilfe für ein am
  Elternkonsens orientiertes
  Vorgehen seien Arbeitskreise.
  Dort tauschen sich Fachleute
  über ihre Arbeitsweise aus und
  entwickeln Qualitätsstandards,
  die dazu beitragen ein am
  Kindeswohl orientiertes Verfahren
  umzusetzen.
  Solche Arbeitsbündnisse gibt es
  schon in Osterode, Heiligenstadt, Hann Münden und Duderstadt, wie deren Vertreter berichten. Auch in Göttingen gibt es Versuche, diese Kooperation mit Leben zu füllen.

Auch wenn Eltern sich gegenseitig im heftigsten Rosenkrieg bekämpfen, Kinder verabschieden sich nie ganz von dem Traum, eine glückliche Familie zu haben. Wie man diesen Traum unter schwierigen Bedingungen unterstützen  kann, wurde durch die Ausführungen von Frau Dr. Behrend lebendig für die Göttinger Fachwelt verdeutlicht.


Vera Schreiber (Leiterin der Erziehungsberatungsstelle des AWO Kreisverbands Göttingen), Angela Schmiel-Richter (Leiterin des Jugendamtes Göttingen), Dipl. Psych. Dr. Katharina Behrend, Rudolf Bubert (Leiter der Erziehungsberatungsstelle der Caritas)