ALLGEMEINES ZUR SCHWANGERSCHAFTSBERATUNG BEI DER AWO

Nach dem Schwangerschaftskonfliktgesetz (SchKG) haben Sie das Recht auf Beratung in anerkannten Schwangerschafts- und Sexualitätsberatungsstellen, wenn es zum Beispiel um Sexualaufklärung, Verhütung, Schwangerschaftskofliktberatung oder Familienplanung geht.

In ihrer Beratungsarbeit geht die AWO - entsprechend ihren Grundwerten - vom Selbstbestimmungsrecht und der Selbstverantwortung der zu beratenden Frauen und Männer aus. Damit treten wir auch ein für den vom Bundesverfassungsgericht in seinem Urteil zum Schwangerschaftsabbruch geforderten "Schutz und die Achtung der Menschenwürde der Frau, vor allem für ihr Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit sowie ihr Persönlichkeitsrecht" (Leitsätze des Bundesverfassungsgerichts vom 18.05.1993). Aus dieser in der AWO fest verankerten Grundhaltung leitet sich sowohl die allgemeine Beratungsarbeit nach § 2 SchKG (der ein Recht auf Beratung zusichert) als auch die Pflichtberatung (Schwangerschaftskonfliktberatung) nach §§ 5, 6 SchKG und 219 Strafgesetzbuch (StGB) ab.

Um der Vielschichtigkeit der Problemstellungen bei Fragen zur Sexualität, Familienplanung, Schwangerschaft sowie bei Schwangerschaftskonflikten Rechnung tragen zu können, vertritt die AWO, als Träger vielfältiger Einrichtungen (Schuldner-, Erziehungs-, Migrantionsberatung, Kindertageseinrichtungen, Frauenhäuser u.a.) ein integratives Beratungskonzept.

Die AWO bietet professionelle psychosoziale Beratung zu allen Problembereichen, die die genannten Themen mittelbar und unmittelbar berühren.

Die Beratung nach §§ 5,6 SchKG und 219 StGB (Konfliktberatung) muß sich an dem Ziel orientieren, das Ungeborene zu schützen. Die Beratung wird – so steht es auch im Gesetz – ergebnisoffen geführt. Nur die schwangere Frau allein kann entscheiden, ob sie die Schwangerschaft austragen will oder nicht.

Wenn Sie es wünschen, muß die Beratung mit der Beraterin/dem Berater anonym durchgeführt werden. Wenn Sie aber eine Beratungsbescheinigung wollen, dann müssen Sie ihren Namen für die mit Datum versehene Bescheinigung in der Beratungsstelle mitteilen.

Aufgabe der Beratung ist es, Sie über Ihre Rechtsansprüche und Hilfen zu informieren, vor allem aber solche, die Ihnen die Fortsetzung der Schwangerschaft und das Leben mit einem (weiteren) Kind erleichtern könnten.

Für die Durchführung der Beratung gibt es Auflagen des Gesetzgebers. Die wichtigsten Inhalte sind laut § 5 Schwangerschaftskonfliktgesetz:

(1) Die nach § 219 des Strafgesetzbuches notwendige Beratung ist ergebnisoffen zu führen. Sie geht von der Verantwortung der Frau aus. Die Beratung soll ermutigen und Verständnis wecken, nicht belehren oder bevormunden. Die Schwangerschaftskonfliktberatung dient dem Schutz des ungeborenen Lebens.

(2) Die Beratung umfasst:

1. das Eintreten in eine Konfliktberatung; dazu wird erwartet, daß die schwangere Frau der sie beratenden Person die Gründe mitteilt, derentwegen sie einen Abbruch der Schwangerschaft erwägt; der Beratungscharakter schließt aus, dass die Gesprächs- und Mitwirkungsbereitschaft der schwangeren Frau erzwungen wird.
2. jede nach Sachlage erforderliche medizinische, soziale und juristische Information, die Darlegung der Rechtsansprüche von Mutter und Kind und der möglichen praktischen Hilfen, insbesondere solcher, die die Fortsetzung der Schwangerschaft und die Lage von Mutter und Kind erleichtern.
3. das Angebot, die schwangere Frau bei der Geltendmachung von Ansprüchen, bei der Wohnungssuche, bei der Suche nach einer Betreuungsmöglichkeit für das Kind und bei der Fortsetzung ihrer Ausbildung zu unterstützen, sowie das Angebot einer Nachbetreuung.

Die Beratung unterrichtet auf Wunsch der Schwangeren auch über Möglichkeiten, ungewollte Schwangerschaften zu vermeiden.

Die Beraterin oder der Berater muß in einem anonymen Protokollbogen (also ohne Ihren Namen) schriftlich festhalten, welche Informationen und Hilfsangebote mitgeteilt wurden, welcher Art Ihre Gründe für einen Abbruch sind und ob noch jemand an der Beratung teilgenommen hat. Diese Angaben werden gemacht, um die Arbeit der Beratungsstelle zu dokumentieren.

Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Beratungsstellen stehen unter Schweigepflicht. Ohne Ihr Einverständnis dürfen Sie niemandem Auskünfte über den Inhalt des Gesprächs oder über Ihre Person geben. Sie dürfen nicht einmal bestätigen, dass Sie zur Beratung da waren, falls etwa Ihr Partner, ein/e Familienangehörige/r oder sonst jemand sich danach erkundigt.

Bei einem Schwangerschaftsabbruch benötigen Sie die Bescheinigung über die durchgeführte Beratung. Nur damit darf ein/e Arzt/Ärztin einen Abbruch durchführen. Die Bescheinigung muß Ihren Namen und das Datum enthalten, an dem die Beratung beendet wurde. Sie darf aber keine Angaben über den Inhalt des Gesprächs enthalten.

Quelle: AWO Bundesverband Bonn e. V.