Kreisverband Göttingen e.V.


Jahresbericht 2020

der

Beratungsstelle für
Kinder, Jugendliche und Eltern

Jutta-Limbach-Str. 3
37073 Göttingen

Friedrich-Ludwig-Jahn-Str. 2
34346 Hann. Münden



Vorab…………………………………………………………Einleitende Bemerkungen


Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Kolleginnen und Kollegen,

für das Jahr 2020 möchte ich Ihnen einen Einblick in die wichtigsten Themen und Entwicklungen geben, bedingt durch die Corona-Pandemie dieses Mal chronologisch und nicht gebündelt nach Themen.

Der Start in das Jahr war ausgesprochen energiegeladen und auf viele spannende Aktivitäten ausgerichtet. Im Februar haben wir einen Elternabend mit der Leinetal-Grundschule zum Thema „Konflikte unter Kindern“ mit 60 Eltern durchgeführt, weitere Vorträge waren geplant. Das 30-jährige Jubiläum der Beratungsstelle im September stand auf dem Kalender, in das Programm und die Organisation der wissenschaftlichen Jahrestagung der Landesarbeitsgemeinschaft für Erziehungsberatung zum Thema „Übergänge gestalten“ war viel Vorarbeit eingegangen. Beide Veranstaltungen mussten im Juni pandemiebedingt abgesagt werden, so wie viele andere Öffentlichkeitsveranstaltungen.

Mit Beginn des ersten Lockdowns im März wurden innerhalb der AWO die digitalen Kommunikationswege ausgebaut. Seitdem wurden regelmäßig Krisenstabssitzungen über Zoom durchgeführt. Aus der heutigen Sicht ist ein Alltag ohne Videokonferenzen kaum mehr vorstellbar. Zunächst wurden die laufenden Beratungen jedoch als Telefonberatungen fortgesetzt. Dies wurde von den meisten Familien als eine große Hilfe erlebt. Einige Klienten-Familien konnten im ersten Lockdown noch kreativ mit der neuen Situation umgehen, ähnlich wie in der KiCo Studie der Universitäten Hildesheim und Frankfurt beschrieben, in der auch positive Aspekte, wie ein Mehr an gemeinsamer Zeit, genannt wurden. Mit Blick auf die Belastungen der Familien haben wir jedoch sehr schnell unsere Homepage mit „Überlebenstipps“ für Eltern und Jugendliche bestückt und über alle Grundschulen Eltern Sprechstunden vor Ort angeboten. Dass dieses Angebot nicht wahrgenommen wurde, hat uns eher gesagt, dass für diese „Luxus“-Zeiten keine Ressourcen vorhanden waren.

Im August konnten wir, gerade rechtszeitig vor der zweiten Welle des Infektionsgeschehens, mit allen drei Landkreis-Beratungsstellen für Kinder, Jugendliche und Eltern gemeinsam die Fortbildung „Methoden der Einzelberatung bei hochstrittigen Eltern“ bei Katrin Normann durchführen. Sowohl die neuen Ansätze für die Arbeit mit diesem herausfordernden Thema, als auch der fachliche Austausch unter allen Landkreis-Kolleg*innen waren hervorragend und haben – wieder einmal- auch den Abgleich untereinander über Qualitätsmerkmale unserer Arbeit befördert.

Im September haben wir uns gezielt mit dem Thema Online-Veranstaltungen beschäftigt. Mit Blick auf den Herbst und die zweite Welle war dies eine gute Entscheidung, so dass wir die Methodenvielfalt, die wir in Präsenzveranstaltungen hatten, auch auf dieses neue Medium übertragen konnten und zunehmend sicherer und geübter wurden. Nachdem wir im Oktober als Kinderschutzfachkräfte noch Kita- Kolleginnen in Präsenz schulen konnten, haben wir Dezember mit Lehrer* innen die erste Online-Schulung anbieten können.

Unsere regelmäßigen Gruppenangebote konnten zum Teil nicht umgesetzt werden, die Gruppen für Eltern pubertierender Kinder und das Angebot für Trennungseltern „Kinder im Blick“ fiel nach drei vergeblichen Startversuchen aus. Nur die Gruppe für Trennungskinder konnte mit einer Pause im ersten Lockdown komplett umgesetzt werden.

Wenn Sie auf die Statistik im Anhang schauen, werden Sie feststellen, dass die Anzahl der Fälle von 469 im Jahr 2019 auf 409 im Jahr 2021, also um fast 13 % zurückgegangen ist. Dies entspricht dem Trend in allen niedersächsischen Erziehungsberatungsstellen, die von ca. 10 % Rückgang berichten und ist vor allem auf die erste Phase der Pandemie zurückzuführen. Auf keinen Fall spiegelt diese Zahl das Ausmaß der Belastungen wieder, denen Familien ausgesetzt waren und sind, die mittlerweile in der Fachdiskussion immer mehr in den Fokus kommen. Für uns als Berater war bemerkenswert, dass insbesondere Jugendliche sich auf eigene Initiative wieder angemeldet haben und sehr konkret die Auswirkungen der Pandemie beschrieben.
Insgesamt werden wir erst im Verlauf des kommenden Jahres die vielfältigen Auswirkungen der Pandemie erfahren, sowohl im Hinblick auf Bildungsverläufe, als auch auf Überforderungsreaktionen von Eltern und die Zunahme von Ängsten und Depressionen bei Kindern und Jugendlichen. Für die zukünftige Arbeit werden wir viel Kreativität im Zugang zu Familien benötigen. Viele Institutionen, mit denen wir in der Vergangenheit eng kooperiert haben, wie Kitas und Schulen, müssen unter anderen Bedingungen arbeiten. Erfreulich ist, dass wir für 2021 zusammen mit den Familienzentren die Online-Veranstaltung „ Mehr als starke Nerven“ geplant haben- und sie mittlerweile auch stattgefunden hat.

Besonders froh bin ich, dass alle Kolleg*innen diese besondere Zeit gesund überstanden haben und in allen Phasen der Pandemie den enormen fachlichen Herausforderungen mit Motivation und Kreativität begegnet sind.
Am Standort  Hann. Münden arbeiten Elke Rüggeberg, Simone Schulz und Jona Ebker als Berater, Barbara Lehne in der Verwaltung; im Standort Göttingen Detlef Jansen, Hanna Hempfling und ich, Birgit Kirchhoff in der Verwaltung, in der Ambulanten Einzelfallhilfe Frau Anne Gregl und seit Mai 2020 Stephan Jörn. Als Kinderschutzfachkräfte für den gesamten Bereich arbeiten Detlef Jansen und ich.

Abschließend möchten ich allen danken, mit denen wir zusammenarbeiteten, ebenso wie denjenigen, die die Grundlagen unserer Arbeit bereitstellen, nämlich dem Jugendamt, dem Jugendhilfeausschuss und den politischen Gremien im Landkreis Göttingen und natürlich unserem Träger, der Arbeiterwohlfahrt Kreisverband Göttingen e.V.

Göttingen im Mai 2021

Vera Schreiber
Leitung